Eine der häufigsten Arbeiten im Haus ist das Bohren: Ob Sie Möbel zusammenbauen wollen, Schränke aufhängen möchten oder eine Reparatur ansteht – eine Bohrmaschine und passende Bohrer sind bei diesen und ähnlichen Tätigkeiten unverzichtbare Helfer. Besonders in Kombination mit Dübeln lassen sich so auch sehr schwere Elemente auf fast jedem Untergrund sicher verankern.

Ein Loch zu bohren ist eigentlich kein Hexenwerk – kann aber durchaus zur kniffligen Aufgabe werden. Wenn Sie etwa falsches Werkzeug nutzen oder ein zum Werkstoff falsches Bohrverfahren anwenden, kann zum Beispiel das Bohrloch ausleiern, die Fliese zerspringen oder sogar der Bohrer brechen.

Beachten Sie: Die Auswahl des Dübels ist grundsätzlich abhängig von der Art des Verankerungsgrunds, in den der Dübel eingebracht werden soll.

BAUHAUS-Fachmann Dieter Weber

Böden verlegen, Möbel bauen, Löcher bohren – Dieter Weber arbeitet seit über 40 Jahren im Handwerk. Der erfahrene Schreinermeister aus Augsburg weiß: Selbermachen kann jeder, wenn man es richtig erklärt bekommt. Als Teil unserer BAUHAUS-Fachleute zeigt er Ihnen, wie’s geht. Verständlich und mit Profi-Tipps aus der Praxis.

1. Worauf es beim Bohren ankommt

Zuhause werden Sie voraussichtlich am häufigsten Stein (z. B. Ziegel und Sandstein) oder Holz bohren. Aber auch andere Werkstoffe wie Keramikfliesen, Beton, Metall oder Kunststoff lassen sich mit den richtigen Bohrern problemlos bearbeiten.

Der richtige Bohrer fürs Material

Betrachtet man einen Bohrer, findet man eingelassen in dessen Schaft meist einige wichtige Informationen zu seiner Materialzusammensetzung. Weit verbreitet ist etwa Chrom-Vanadium- Stahl (CV). Das beigemischte Chrom sorgt für verbesserte Härte, das Vanadium für erhöhte Zähigkeit. Carbonstahl (C-Stahl) bringt sehr gute Schärfe und Stabilität mit – hervorragend etwa für Holzbearbeitung. Bohrer für anspruchsvolle Aufgaben bestehen oft aus HSS. Das Kürzel leitet sich aus dem englischen Begriff „High Speed Steel“ ab, im Deutschen ist der Werkstoff als „Schnellarbeitsstahl“ bekannt. Einer der größten Vorteile von HSS ist seine enorme Hitzestabilität – selbst bei knapp 600 Grad Celsius behält der Bohrer seine Härte und erlaubt dadurch mehr als die dreifache Schnittgeschwindigkeit gegenüber konventionellem Werkzeugstahl.

Einer der wichtigsten Leistungsfaktoren eines Bohrers ist dessen Verbindung mit der Maschine. Ohne stabilen Sitz leidet die Kraftübertragung. Gängige Werkzeugaufnahmen sind der Zylinderschaft (zum Einspannen) und der Sechskant (zum Einstecken auch in einen Bohrschrauber). Profis schwören auf SDS und SDS Plus! Hier ist der Bohrschaft genutet. Das erlaubt eine ideale Kraftübertragung bei werkzeuglosem Bohrerwechsel.

Obwohl der passende Bohrer fast wichtiger als die Maschine ist, sollte auch diese entsprechend gewählt werden. Die meisten (Akku-)Bohrschrauber und kleineren Handbohrmaschinen liefern eine Drehbewegung, die oft regelbar und über ein Mehrganggetriebe wählbar ist. Gebohrt wird im höchsten Gang. Schlagbohrmaschinen besitzen eine abschaltbare Schlageinrichtung für viele kurze Schläge. Die Schlagenergie wird vom Anpressdruck des Anwenders bestimmt. Ein Bohrhammer schließlich, der statt vieler kleiner wenige starke Schläge erzeugt und der pneumatische Antrieb den Anpressdruck des Anwenders ersetzt, liefert eine hohe Einzelschlagenergie – für das Bohren in Beton die ideale Methode.

Bevor Sie nun zur Bohrmaschine greifen: Überprüfen Sie zuerst mit einem Ortungsgerät, ob sich Stromleitungen oder andere Leitungen in der Wand befinden. Ein kurzes Klopfen verrät Ihnen außerdem, was Sie vor sich haben: Dumpfe Töne gehen meist von einer Massivwand aus Beton oder Stein aus, hohle Geräusche von Gipskarton. Dann den richtigen Bohrer auswählen, die Bohrlochtiefe darauf markieren (für Dübel ca. Dübellänge plus -Durchmesser), einen sicheren Stand einnehmen – und los geht's!

2. Bohren in Stein

Bohrungen in Wandbaustoffen (Ziegel, Porenbeton, Trockenbauplatten, Sandstein und andere weichere mineralische Baustoffe) können Sie mit einem keilförmigen Steinbohrer mit eingelöteter Hartmetallspitze durchführen – mit etwas Geduld auch ohne Schlagwerk. In härteren Materialien (Vollziegel, Klinker, Kalksandvollstein) kommen Sie damit allerdings nicht weit. Hier müssen Sie das Schlagwerk zuschalten und einen Betonbohrer mit hammerfester Hartmetallspitze einspannen. Eine Probebohrung hilft Ihnen, den richtigen Bohrer und die passende Drehzahl für das Material zu ermitteln – ohne das Werkstück oder die Wand zu beschädigen.

3. Bohren in Keramikfliesen und Glas

Spezielle Glas- und Fliesenbohrer verfügen über eine exakt geschliffene, lanzenförmige Hartmetallplatte. Damit Sie beim Anbohren nicht abrutschen, körnen Sie den Bohrpunkt vorsichtig an (alternativ: Krepp-Klebeband oder Heftpflaster auf die zu bohrende Stelle kleben).

4. Bohren in Holz

Damit inhomogene Holzwerkstoffe beim Durchbohren entlang der Faser nicht ausreißen, besitzen Holzbohrer Außenschneiden, die die Fasern am Bohrlochrand kappen. Danach arbeiten sich erst die Hauptschneiden ins Material. Eine saubere Vorbohrung sorgt außerdem dafür, dass das Material beim Einschrauben nicht splittert und Schrauben leichter greifen. Besonders glatte Wandungen und scharf abgegrenzte Ränder erhalten Sie bei Löchern bis 12 Millimetern Durchmesser, wenn Sie diese mit maximaler Drehzahl bohren.

Beachten Sie: Im Bild ist die Zentrierspitze gut zu erkennen, die sich ins Holz senkt und den Bohrer führt. 

Müssen Sie das Holz komplett durchbohren, legen Sie eine Zulage aus Restholz unter. So vermeiden Sie den Ausriss von Fasern auf der Unterseite. Ein stabiler Halt ist dabei wichtig für Ihr Werkstück, um sauber zu bohren und es nicht zu beschädigen. 

Soll der Schraubenkopf im Holz verschwinden, senken Sie das Loch an und drehen anschließend die Schraube ganz ins Material.

Wollen Sie senkrecht bohren, haben aber keinen Bohrständer zur Hand, verwenden Sie einen Schreinerwinkel zum Anpeilen. Alternativ können Sie für eine stabile Führung der Bohrmaschine und ein exaktes Ergebnis eine Bohrhilfe nutzen.

Spezielle aufsteckbare Aufsätze dienen als Senker und Tiefenbegrenzer zugleich.

Größere Durchmesser für Sacklöcher oder Aufnahmebohrungen für Topfscharniere in Möbeln bohren Sie mit einem Forstnerbohrer (mit Bohrkronen bis 100 mm). Dieser Spezialbohrer hat nur eine kurze Spitze und kein Bohrgewinde. Das Loch entsteht durch spanabhebende Schneiden (meist 2, zuweilen auch 4 Schneiden), die seitlich um die Spitze herum angeordnet sind.

Verwenden Sie Forstnerbohrer in einer Tischbohrmaschine oder einer Handbohrmaschine im Bohrständer. Nur so wird die Bohrung exakt senkrecht. Bohren Sie dabei nur mit reduzierter Drehzahl und wenig Druck in Etappen – im Extremfall verbrennt sonst das benachbarte Holz und wird dunkel. Ein Bohrständer ist auch bei tieferen Bohrungen hilfreich, da er die Maschine stabil führt und ein Verziehen des Lochs verhindert.

5. Bohren in Metall und Kunststoff

Metallbohrer sind an der Spitze kegelförmig und besitzen zwei scharfe Schneiden. Bei der Bearbeitung von Metallen bohren Sie grundsätzlich mit geringer Drehzahl. Kühlen Sie die Bohrstelle und den Metallbohrer außerdem während des Bohrens mit Wasser, Schneidöl, Bohrmilch oder notfalls auch mit Nähmaschinenöl. Wenn ein vorhandenes Loch zu klein ist, können Sie es mit einem größeren Bohrer aufbohren. Achten Sie dabei auf eine mittige Führung, um Materialverzug zu vermeiden.

Bevor Sie in Metall bohren, körnen Sie die Bohrstelle an. So greift die Schneide des Bohrers gut und rutscht nicht ab. Spannen Sie die zu bearbeitenden Werkstücke außerdem gut ein – das schützt vor Verletzungen.

6. Bohren mit großen Durchmessern

Reicht ein Forstnerbohrer beim Einbringen von Löchern in Holz nicht mehr aus oder müssen Sie große Durchmesser in andere Materialien bohren (etwa Unterputz- und Hohlwanddosen in Mauerwerk), helfen Lochsägen oder Bohrkronen. Letztere sind meist hartmetall- oder diamantbestückt, sehr stabil und präzise und im Schlagbohr- oder Hammerbetrieb für sehr harte Baustoffe geeignet. Allerdings benötigen Sie für jedes Maß eine eigene Krone.