Löcher bohren: So geht´s

Ratgeber Loecher bohren: Grosses Bohrloch in Beton

Ein Loch zu bohren ist eigentlich kein Hexenwerk – kann aber durchaus zur kniffligen Aufgabe werden. Wenn Sie etwa falsches Werkzeug nutzen oder ein zum Werkstoff falsches Bohrverfahren anwenden, können ausgerissene Ränder, zu tiefe oder zu weite Löcher die Folgen sein.  

1. Bohrtechniken – der richtige Bohrer fürs Material

Ratgeber Loecher bohren: Gaengige Bohrerarten Vergrösserung aufrufen

Dreh- oder Spiralbohrer haben an ihrer Spitze zwei Schneiden, die vom bearbeiteten Material Späne abtragen und durch die seitlich gewendelten Nuten aus dem Bohrloch hinausbefördert werden (z. B. für Kunststoff, Metall, Plattenbaustoffe, Poren- oder Bimsbeton). Holzbohrer sind immer leicht an der Zentrierspitze zu erkennen. Diese führt den Bohrer sicher ins Material. Beim Bearbeiten von Vollsteinen (z. B. für gemauerte Wandbaustoffe, Klinker, Kalksandstein) führen Schneiden an der Bohrspitze nicht zum Erfolg. Stattdessen ist an der Spitze ein Hartmetallplättchen eingelötet, das den Werkstoff schabend abträgt. Damit das schneller vonstatten geht, unterstützt eine schlagende Vorwärtsbewegung den Bohrfortschritt wie ein Meißel (Schlagbohren). Mit dem Hammerbohrer in einem Bohrhammer lässt sich harter Beton besonders gut zertrümmern.

Ratgeber Loecher bohren: Grafik Bohrhammer Vergrösserung aufrufen

Obwohl der passende Bohrer fast wichtiger als die Maschine ist, sollte auch diese entsprechend gewählt werden. Die meisten Akku-Bohrschrauber und kleinere Handbohrmaschinen liefern eine Drehbewegung, die oft regelbar und über ein Mehrganggetriebe wählbar ist. Gebohrt wird im höchsten Gang. Schlagbohrmaschinen besitzen eine abschaltbare Schlageinrichtung für viele kurze Schläge. Die Schlagenergie wird vom Anpressdruck des Anwenders bestimmt. Ein Bohrhammer schließlich, der statt vieler kleiner wenige starke Schläge erzeugt und der pneumatische Antrieb den Anpressdruck des Anwenders ersetzt, liefert eine hohe Einzelschlagenergie – für das Bohren in Beton die ideale Methode.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Bohrmaschinen erhalten Sie im BAUHAUS Ratgeber Die Bohrmaschine

2. Bohren in Stein

Ratgeber Loecher bohren: Bohren in Mauersteine ohne Schlagwerk moeglich

Bohrungen in Wandbaustoffen (Ziegel, Porenbeton, Trockenbauplatten, Sandstein und andere weichere mineralische Baustoffe) können Sie mit einem keilförmigen Steinbohrer mit eingelöteter Hartmetallspitze durchführen – mit etwas Geduld auch ohne Schlagwerk. In härteren Materialien (Vollziegel, Klinker, Kalksandvollstein) kommen Sie damit allerdings nicht weit. Hier müssen Sie das Schlagwerk zuschalten und einen Betonbohrer mit hammerfester Hartmetallspitze einspannen. 

Ratgeber Loecher bohren: Akku-Bohrhammer Ratgeber Loecher bohren: Bohrhammer fuer Loecher in Beton

Bei Betonwänden und -decken kommt der pneumatische Bohrhammer mit passendem Hammerbohrer zum Einsatz. Dank fortgeschrittener Speichertechnik gibt es diese auch mit Akkuantrieb – zum Beispiel für den kabellosen Einsatz im Garten.

Beachten Sie: Ein leerer Joghurtbecher fängt das Bohrmehl bei Deckenbohrungen auf. 

Beginnen Sie Lochbohrungen in der Wand generell mit abgeschaltetem Schlagwerk und geringer Drehzahl. Erst wenn der Bohrer festen Halt hat, erhöhen Sie die Drehzahl. Erzielen Sie keinen Bohrfortschritt schalten Sie das Schlagwerk zu. Kommen Sie auch damit nicht weiter besteht die Wand vermutlich aus Beton und nur ein Bohrhammer hilft weiter.

Beachten Sie: Wenn kein Bohrmehl aus dem Loch gefördert wird, ist das ein sicheres Zeichen, dass Sie auf einen Metallträger oder eine Armierung getroffen sind. Suchen Sie sich dann am besten eine andere Befestigungsposition. 

3. Bohren in Keramikfliesen und Glas

Ratgeber Loecher bohren: Glasbohrer

Spezielle Glas- und Fliesenbohrer verfügen über eine exakt geschliffene, lanzenförmige Hartmetallplatte. Damit Sie beim Anbohren nicht abrutschen, körnen Sie den Bohrpunkt vorsichtig an (alternativ: Krepp-Klebeband oder Heftpflaster auf die zu bohrende Stelle kleben).  

Ratgeber Loecher bohren: Diamantbesetzte Bohrwerkzeuge

Perfekte Löcher mit ausrissfreien Randungen in Fliesen, Feinsteinzeug, Naturstein und anderen harten Steinwerkstoffen sind allerdings nur mit diamantbesetzten Bohrwerkzeugen möglich. Während der Bohrung ist es wichtig, den Bohrer dabei kontinuierlich zu kühlen, um Beschädigungen und das Durchglühen des Kopfes zu vermeiden: Diamant-Nassbohrer müssen mit Wasser gekühlt werden; Diamant-Trockenbohrer können mit Kühlmittel gefüllt werden. Um außerdem die Belastung auf den Bohrkopf zu verringern, verwenden Sie einen Akku-Schrauber. Dieser erreicht geringere Drehzahlen als eine Bohrmaschine. Erst nachdem Sie die Fliese durchbohrt haben, spannen Sie den zum Wandbaustoff passenden Bohrer ein.

Beachten Sie: Bei Diamantbohrern keinesfalls die Schlagbohrfunktion verwenden. 

4. Bohren in Holz

Ratgeber Loecher bohren: Aussen- und Hauptschneiden des Holzbohrers

Damit inhomogene Holzwerkstoffe beim durchbohren entlang der Faser nicht ausreißen, besitzen Holzbohrer Außenschneiden, die die Fasern am Bohrlochrand kappen. Danach arbeiten sich erst die Hauptschneiden ins Material. Besonders glatte Wandungen und scharf abgegrenzte Ränder erhalten Sie bei Löchern bis 12 Millimetern Durchmesser, wenn Sie diese mit maximaler Drehzahl bohren.

Beachten Sie: Im Bild ist die Zentrierspitze gut zu erkennen, die sich ins Holz senkt und den Bohrer führt. 

Ratgeber Loecher bohren: Zulage aus Restholz verwenden

Müssen Sie das Holz komplett durchbohren, legen Sie eine Zulage aus Restholz unter. So vermeiden Sie den Ausriss von Fasern auf der Unterseite. 

Ratgeber Loecher bohren: Bohrloch ansenken Ratgeber Loecher bohren: Senkrecht bohren

Soll der Schraubenkopf im Holz verschwinden, senken Sie das Loch an und drehen anschließend die Schraube ganz ins Material.

Wollen Sie senkrecht bohren, haben aber keinen Bohrständer zur Hand, verwenden Sie einen Schreinerwinkel zum Anpeilen. 

Ratgeber Loecher bohren: Tiefenbegrenzer und Senker

Spezielle aufsteckbare Aufsätze dienen als Senker und Tiefenbegrenzer zugleich. 

Ratgeber Loecher bohren: Grafik Forstnerbohrer

Größere Durchmesser für Sacklöcher oder Aufnahmebohrungen für Topfscharniere in Möbeln bohren Sie mit einem Forstnerbohrer (mit Bohrkronen bis 100 mm). Dieser Spezialbohrer hat nur eine kurze Spitze und kein Bohrgewinde. Das Loch entsteht durch spanabhebende Schneiden (meist 2, zuweilen auch 4 Schneiden), die seitlich um die Spitze herum angeordnet sind. 

Ratgeber Loecher bohren: Forstnerbohrer im Bohrstaender

Verwenden Sie Forstnerbohrer in einer Tischbohrmaschine oder einer Handbohrmaschine im Bohrständer. Nur so wird die Bohrung exakt senkrecht. Bohren Sie dabei nur mit reduzierter Drehzahl und wenig Druck in Etappen – im Extremfall verbrennt sonst das benachbarte Holz und wird dunkel. 

Ratgeber Loecher bohren: Kleine Loecher in Holz vergroessern Ratgeber Loecher bohren: Kombinierte Durchmesser in Holz bohren

Müssen Sie bei einem Projekt ein kleines Bohrloch in einer größeren Sackbohrung herstellen, bohren Sie zunächst den größeren Durchmesser. Der kleine Bohrer greift dann ohne Probleme in der Mitte.

Umgekehrt ist das schon schwieriger, da die Spitze des Bohrers keinen Halt findet. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Bohren Sie das Loch in der entsprechenden Größe in eine Zulage aus Restholz und verwenden diese als Schablone – sie führt dann den Forstnerbohrer von außen. 

Ratgeber Loecher bohren: Waagerecht ansetzen fuer schraege Bohrung

Wenn Sie ein schräges Loch bohren müssen, bohren Sie die Stelle zunächst senkrecht an. Nun findet der Bohrer Halt und Sie können die Maschine in den gewünschten Winkel bringen. 

5. Bohren in Metall und Kunststoff

Ratgeber Loecher bohren: Schneidoel Ratgeber Loecher bohren: Metallbohrungen kuehlen

Metallbohrer sind an der Spitze kegelförmig und besitzen zwei scharfe Schneiden. Bei der Bearbeitung von Metallen bohren Sie grundsätzlich mit geringer Drehzahl. Kühlen Sie die Bohrstelle und den Metallbohrer außerdem während des Bohrens mit Wasser, Schneidöl, Bohrmilch oder notfalls auch mit Nähmaschinenöl. 

Ratgeber Loecher bohren: Bohrstelle ankoernen

Bevor Sie in Metall bohren, körnen Sie die Bohrstelle an. So greift die Schneide des Bohrers gut und rutscht nicht ab. Spannen Sie die zu bearbeitenden Werkstücke außerdem gut ein – das schützt vor Verletzungen.

Beachten Sie: Entfernen Sie nach der Bearbeitung alle Späne und vor allem scharfe Kanten, Auffaserungen oder Splitter – entgraten Sie das Werkstück. Dafür ist zum Beispiel eine Feile mit feinem Hieb gut geeignet.

Wie Sie außerdem Metall nieten, Gewinde schneiden, Kupfer oder Messing löten, Blechstreifen biegen oder abkanten erfahren Sie im BAUHAUS Ratgeber Metall bearbeiten.

Ratgeber Loecher bohren: Kunststoffe mit Kegelbohrer bohren

Für das Bohren von Kunststoffen (z. B. Acrylglas) sind Kegelbohrer ideal: Der einschneidige Aufsatz verhindert zuverlässig, dass das Material an der Unterseite ausreißt. Alternativ können Sie auch einen Stahlbohrer verwenden. Bohren Sie mit diesem jedoch erst kurz in Beton – dadurch wird er abgestumpft und arbeitet in Plexiglas problemloser. 

Ratgeber Loecher bohren: Riefen in gebohrten Acrylglas mit Oel benetzen Ratgeber Loecher bohren: Plexiglas bohren

Bohren Sie Kunststoffe immer mit wenig Druck und bei geringer Drehzahl, damit möglichst wenig Reibungshitze entsteht. Als Kühlmittel reicht normales Wasser mit ein wenig Spülmittel, das Sie auf die Bohrwendel auftragen. Die beim Bohren in Plexiglas entstehenden matten Riefen werden mit etwas Öl wieder klar.

Beachten Sie: Ist der Span krümelig, war die Drehzahl zu hoch. Ein verschmolzener Span deutet auf eine zu geringe Drehzahl oder zu schwachen Vorschub hin. 

6. Bohren mit großen Durchmessern

Ratgeber Loecher bohren: Lochsaegen

Reicht ein Forstnerbohrer beim Einbringen von Löchern in Holz nicht mehr aus oder müssen Sie große Durchmesser in andere Materialien bohren (etwa Unterputz- und Hohlwanddosen in Mauerwerk), helfen Lochsägen oder Bohrkronen. Letztere sind meist hartmetall- oder diamantbestückt, sehr stabil und präzise und im Schlagbohr- oder Hammerbetrieb für sehr harte Baustoffe geeignet. Allerdings benötigen Sie für jedes Maß eine eigene Krone.

Die Zahnung der Lochsägen mit wechselbaren Sägekränzen ist in der Regel für die Bearbeitung von Weichholz ausgelegt. Es gibt jedoch auch solche aus HSS-Bimetall (HSS = High-Speed-Steel, Schnellarbeitsstahl), hartmetall- oder diamantbetreute Lochsägen für Kunststoffe, hartes Holz und Metall beziehungsweise für Stein und Keramik. 

Ratgeber Loecher bohren: Oberfraese mit Fraeszirkel Ratgeber Loecher bohren: Lochschneider

Größere, frei wählbare Durchmesser können Sie mit Kreisschneidern herstellen. Genügt auch das nicht, kommt eine Oberfräse zum Einsatz, die Sie an einem Fräszirkel führen.

Bohren Sie große Durchmesser ebenfalls mit einer nicht zu großen Drehzahl und mit geringerem Andruck. Gegebenenfalls müssen Sie die Säge mit Leitungswasser beziehungsweise Schneidöl kühlen. 

Bildergalerie Löcher bohren: So geht´s

Geometrie eines Wendelbohrers für Stahl

Ratgeber Loecher bohren: Grafik Geometrie eines Bohrers

Der Spitzenwinkel (1) misst 118°, der Spanwinkel (3) liegt zwischen 19 und 40°. Härtere Werkstoffe lassen sich mit einem kleineren Spanwinkel besser bearbeiten, weichere mit einem größeren. Zusätzlich sind die Schneiden an der Spitze hinterschliffen. Dadurch entsteht der sogenannte Freiwinkel (2), der das Eindringen der Bohrerspitze in das Material ermöglicht. Weiter unterstützt wird der Bohrvorgang durch die um 55° zur Hauptschneide gedrehte sogenannte Querschneide. Sie schabt an der Spitze zusätzlich Material ab, das anschließend über die Wendel aus dem Bohrloch befördert wird. 

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